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Impuls #2 Laut loslachen, um langjährige Beziehungen zu retten

  • henriettemschmidt
  • 22. Juli
  • 3 Min. Lesezeit

Aktualisiert: vor 1 Tag

Unser Gehirn liebt es, die immer gleichen Abläufe abzuspielen. Doch was, wenn diese Prozesse in unseren Beziehungen hinderlich sind? Ein Vorschlag: einmal den Trampelpfad verlassen.


In langjährigen Beziehungen geraten wir fast immer an den Punkt, an dem sich bestimmte Dynamiken einspielen. Sei es, dass eine Person häufiger das Geschirr stehen lässt, weil sie weiß, dass die andere Person am nächsten Morgen ohnehin alles aufräumen wird.

Oder sei es, dass eine Person einen Vorschlag macht und die andere aus Prinzip dagegenhält.


Gefangen in diesen scheinbar unüberwindbaren Schleifen beginnen wir, uns aufzuregen und zu bemängeln, dass unsere Beziehung immer nach demselben Muster verläuft. Warum bist du nicht ordentlicher? Wieso kannst du nicht einfach einmal meiner Meinung sein?


Die Gründe für unser Verhalten können vielschichtig sein, und manchmal sind sie uns gar nicht bewusst. Wenn wir uns bisher weder die Zeit noch den Raum genommen haben, zu ergründen, warum wir entsprechend handeln, kann uns ein Kniff helfen, aus der Dynamikschleife herauszutreten: die Musterunterbrechung.



Sie ist eines meiner absoluten Lieblingskonzepte aus der Systemik, weil sie ebenso spielerisch wie hilfreich sein kann.


Dahinter steckt – wie in vielen verhaltenstherapeutischen oder systemischen Ansätzen – die Umprogrammierung unseres Gehirns. Indem wir einmal ganz anders handeln, als wir es gewohnt sind, zeigen wir unserem Gehirn eine Alternative zu seinem gewohnten Trampelpfad. Dadurch ermöglichen wir uns und unserem Gehirn eine neue Erfahrung. Etwas passiert, wir reagieren diesmal anders und speichern dieses neue Erleben als mögliche Reaktion auf eine Situation ab. Diese Experimentierfreude kann uns dabei helfen, neue Lösungsansätze zu finden, Beziehungen aufzufrischen und langfristig festgefahrene Handlungsmuster zu durchbrechen.


Ein Beispiel: Zwei Freunde schaukeln sich gegenseitig hoch. Der eine macht eine bissige Bemerkung. Darauf folgt in der Regel eine ebenso spitze Stichelei des anderen. Wenn nun einer der beiden auf seine gewohnte Reaktion verzichtet und stattdessen schallend loslacht, passiert etwas: Die Komik der Situation tritt in den Vordergrund. Die Dynamik verändert sich und nimmt eine völlig andere Richtung.

Vielleicht entsteht zunächst Verwirrung. Doch dann wird die Einladung angenommen, einfach mitzulachen. Damit wird ein Zeichen gesetzt, dass nicht der Konflikt im Mittelpunkt steht, sondern der schöne Moment des Miteinanders. Durch den Überraschungseffekt entsteht ein Augenblick der Spontaneität – und damit auch Nähe.

Der Konflikt ist dadurch vielleicht nicht aus der Welt geschafft, aber die Situation hat sich grundlegend verändert.

Vielleicht stellt sich heraus, dass es gar nicht wirklich um den Konflikt ging, sondern dass andere Faktoren dazu geführt haben, dass der eine oder die andere dünnhäutig war und Streit gesucht hat. Oder beide erkennen, dass ihr bisheriger Umgang mit Kritik nicht zielführend ist, und beschließen, Probleme künftig dann anzusprechen, wenn sie Zeit und Raum dafür haben.


Egal, welche langfristigen Folgen eine solche Musterunterbrechung hat: Auf der wohlwollenden Grundlage gemeinsamer Intimität lässt sich deutlich leichter ein Weg finden, mit dem beide glücklich sind.


Dieses Prinzip lässt sich auf viele Bereiche übertragen. So können Handlungsmuster in Partnerschaften neu gestaltet werden, die nach Jahren oft mit einer gewissen Alltagslethargie verbunden sind. Je überraschender und ungewohnter die Erfahrung, desto besser: Neue Erlebnisse und gemeinsame Aktivitäten können frische Verliebtheit entstehen lassen und unserem Gehirn zeigen, dass der Mensch an unserer Seite nicht zwangsläufig immer mit denselben Verhaltensweisen verbunden ist.


Für den Alltag


Wie wäre es also, wenn Sie das nächste Mal gemeinsam lachen, anstatt sich wieder über das dreckige Geschirr zu ärgern, und den Konflikt für den Moment einfach ruhen lassen? Oder Sie versuchen sich an einer paradoxen Intervention und räumen das Geschirr mit einem kleinen Augenzwinkern bewusst einmal gar nicht weg, sondern stapeln es so lange, bis keine sauberen Teller mehr übrig sind …


Überlegen Sie auch gemeinsam, welche Lösung es außerhalb Ihres bisherigen Vorstellungsraums geben könnte: eine dritte Person, die den Abwasch übernimmt? Eine Spülmaschine? Häufiger außer Haus essen? Seien Sie kreativ – schließlich tragen Sie den Schlüssel zur Lösung bereits in Ihren Händen.



 
 
 

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